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...bis zu unserem Schützenfest in Wethmar
am 07.06.2012 ab 14.00 Uhr !

Opa Tölle


Ein "besonderer" Einwohner von Wethmar

Heinrich Tölle, aus Wethmar, starb am 09.01.1932 im 99. Lebensjahr.. Von ihm ist viel zu erzählen, nicht weil er durch sein hohes Alter viele überholte, sondern weil seine Scherze, Streiche und Verse heute noch erzählt, belacht oder gar besungen werden. Geboren wurde Tölle am 02.06.1833 in Lichtenau, Kreis Büren.
Seit seinem 17. Lebensjahr wohnte er aber in Wethmar. Er kam hier her, weil sein Vater, der als Schäfer bei Schulze Alt-Cappenberg diente, ihn rief und ihm eine Schäferstelle bei Niehues (Geisthoff) verschafft hatte. Dieser Beruf war ihm nicht fremd, da er als Junge schon in seinen heimatlichen Bergen die Schafe hüten mußte. 2 ½  Jahre blieb er an dieser Stelle, dann mußte er sie aufgeben, weil Niehues sein Hauptweidegelände, den Vogelsberg, an Cappenberg abgab, um den Naturalzehnten ablösen zu können. Insgesamt waren es 55 Morgen, die hierbei den Besitzer wechselten. 25 Morgen wurden mit je 25 Thalern und die restlichen Morgen mit je 30 Thalern berechnet.
Bei Wieneke (Hof Uebbert) fand Tölle seine neue Stelle. Bevor er morgens mit seiner Herde hinauszog, hatte er ab 4 Uhr schon einen Fuder Heideplaggen für den Schafstall gehackt. Nach 6 Jahren ging er für 9 Jahre zu Möllmann, anschließend für 8 Jahre zu Brockmann (Hof Pieper) um zuletzt für 19 Jahre zu Wienecke (Hof Uebbert) zurückzukehren. Er diente also rund 45 Jahre als Schäfer. Als Lohn bekam er jährlich 20 Thaler, durfte aber im Sommer 20 und im Winter einige Schafe mehr für seinen Gebrauch halten.
Es war kaum einer in Wethmar, der die Grenzen der Grundstücke besser kannte als er; darum wurde er bei Streitigkeiten gern herangezogen. Er erlebte 1850 und 1855 die großen Hausbrände bei Brockmann (Hof Pieper), er sah am 20.08. 1860, wie der Bauer Niehues beim Rübsamensäen vom Blitz erschlagen wurde und der Sohn betäubt vom Pferde fiel; er war der erste, der mit einer Eselskarre täglich die Milch von Wethmar nach der neugegründeten Molkerei in Lünen brachte. Dabei hatte er seinen Esel so gewöhnt, dass dieser den Heimweg nach Wienekens Hof (Hof Uebbert) allein machte.
Im Winter, wenn er mit seinen Schafen nicht hinaus konnte, und nach Aufgabe seines Berufes, betätigte er sich als Hausschlachter. Im hohen Alter noch zog er mit dem Schlachttroge durch die Bauernschaft, eine lange blaue Schürze vorgebunden, den Messerköcher umgeschnallt und meist eine alte Schützenmütze auf dem Kopf. Es wurde ihm jedoch zuletzt sehr schwer, die dicken Borstentiere umzulegen. So geschah es ihm einst bei Aschoff, als er breitbeinig über dem liegenden Schwein stand, dass dieses wieder aufsprang und der Opa sauste rittlings mit ihm zur Tür hinaus.
Er fehlte bei keiner geselligen Veranstaltung. Ein besonders eifriges Mitglied war er im Schützen-Verein und die Schützenfeste hatten es ihm angetan. Selbst beim letzten welches er erleben konnte (1930) bestand er darauf, das Holzgewehr zu tragen. Seine Reime, die er auf das Fest machte, sind heute das Schützenlied des Wethmarer Vereins:

„Buer lot die Arbeit liggen, nimm de Flinte van de Wand,.......“

Immer saß ihm der Schalk im Nacken. Einst hütete er in der heißen Sonne. Er saß am Wegesrand, als ein feiner Herr vorbei kam. Unser Schäfer fing tüchtig an zu stöhnen und zu jammern. Der Herr blieb stehen und fragte ihn, ob er krank sei. „Nee“, sagte er, „ick hew son schreklichen Schmacht (Hunger)“. Da bot ihm der Herr Geld an; doch das lehnte er mit den Worten ab „Dat is nich neidig, do duoben am Pohl hängt mein Rock, do sitt en graut Buotterbraut drin, ower ick sin to fuul, et te halen“.
Im hohen Alter erfuhr er durch Urkunden, dass er am Tage seiner Geburt auch die Nottaufe bekommen hatte. Dazu meinte er: „ Jo, miene Ellern hät dacht, eck wör de rasch wier van affgohn on nu sink all üower siemßig“. Er wurde einmal gefragt ob er in seinem Leben auch mal ernsthaft krank war:“ In jüngeren Johren hek mol Blinddarmentzündung hat; do hätt mie de Frau nen heiten Stein op Liew laggt, do wast wier weg“. Sein Gehör hatte im Alter stark nachgelassen. Das tat er ab mit dem Satz:“ In miene Jugend woll ecke nich hörn, un nun kann eck et nich menn“.
Seine vielen Spottverse, die er gern auf die Westfaliabahn machte, die damals noch an der Münsterstraße entlang fuhr, sind schon nicht mehr bekannt. Einer ist aber noch überliefert. Wenn die kleine Lokomotive mit einigen Wagen daherschnaufte und der Dampf stoßweise aus dem Schornstein quoll, riefen die Jungen den von Opa Tölle stammenden Vers dem Lokomotivführer Beckmann zu:“Wat geiht dat schwör, eck kann nich menn, den donnerwiär, den Futt, Futt, Futt“. Niemand konnte sich mehr darüber ärgern, als der Lokomotivführer Beckmann und da er seinen Führerstand nicht verlassen konnte, warf er mit glühenden Kohlen und vielen Schimpfwörtern.
Doch blieb Opa Tölle auch nicht vom Leid verschont. Seine Frau, die er „sien bestes Schöpken“ nannte, starb früh von ihm weg. Hart traf es ihn an seinem 90. Geburtstag; denn am Vorabend verunglückte sein ältester Enkel auf der Westfalia. Aus dem Freudentag wurde ein Trauertag, da der Verunglückte in den Morgenstunden des Festtages starb.

Quelle: A. Siegeroth/Die Geschichte der Gemeinde Altlünen


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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 07.08.2008 von didi